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Künstliche Ernährung

Die künstliche Ernährung ist gerechtfertigt, wenn der Betroffene über einen längeren Zeitraum oral nicht oder nicht ausreichend genügend Nährstoffe aufnehmen kann. Die Ursachen sind vielfältig: Nicht können, nicht dürfen oder nicht wollen. Daraus ergeben sich verschiedene Indikationen für eine künstliche Ernährung.

Wann wird die künstliche Ernährung durchgeführt?
Künstlich ernährt werden Personen, die infolge des schlechten Allgemeinzustandes peroral keine oder zu wenig Nahrung zu sich nehmen können. Ebenso jene Personen, bei denen der Schluckakt gestört ist, zum Beispiel Personen mit Apoplexie. Schluckbeschwerden können auch durch Verletzungen oder durch Tumore entstehen. Bewusstlose werden in der Regel in den ersten Tagen parenteral, also mittels Infusion, ernährt. Bleibt die Bewusstlosigkeit weiter bestehen, wird in den meisten Fällen ab dem fünften Tag eine Nährsonde gelegt. Eine weitere Indikation zur künstlichen Ernährung sind Erkrankungen im Bereich des Verdauungstraktes, wie zum Beispiel Stenosen des Darms, Pankreatitis, Colitis ulcerosa oder die chronische Erkrankung Morbus Crohn. Die künstliche Ernährung ist oft bei psychiatrischen Krankheitsbildern, etwa bei der Anorexia nervosa, zwingend erforderlich. Gerade bei psychisch erkrankten Personen ist die künstliche Ernährung nicht ganz einfach. Für die Betroffenen ist es eine unnatürliche und nicht gewollte Ernährungsform, sie stehen dieser Maßnahme sehr skeptisch und ablehnend gegenüber.

Die enterale Ernährung
Bei dieser Art der Ernährung wird der Patient mittels einer Ernährungssonde, die entweder im Magen oder im Dünndarm endet, flüssig ernährt. Voraussetzung dafür ist, dass die Verdauung beziehungsweise die Resorption im Magen- Darmbereich ganz oder zumindest teilweise funktioniert. Ziel ist es, die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme so gut als möglich aufrechtzuerhalten.

Die parenterale Ernährung Hier wird der Magen- Darmtrakt umgangen, die Nährstoffzufuhr erfolgt über einen Venenkatheter direkt in die Blutbahn. Die Infusionslösungen enthalten alle wichtigen Nährstoffe. Zur Anwendung gelangt diese Ernährungsform, wenn die Verdauungs- und Resorptionsleistung im Magen- Darmtrakt nicht gewährleistet ist. Da der Betroffene die Zufuhr über das Appetit- oder Sättigungsgefühl nicht regeln kann, muss die Verabreichung immer der momentanen Stoffwechselsituation angeglichen werden. Die Zufuhr der Nährstoffe kann mit einer Pumpe dosiert und geregelt werden. Nur wenn die enterale Ernährung nicht möglich ist, ist die parenterale Ernährung angezeigt.

Die perkutane endoskopische Gastrostomie
Darunter versteht man einen von außen künstlich angelegten Zugang zum Magen. Die PEG- Sonde verläuft durch die Haut und Bauchwand in die Magenwand. Die PEG- Sonde dient der Ernährung, wird aber in der Pallitativmedizin auch bei einem Darmverschluss gelegt.

Ethische Bedenken bei der künstlichen Ernährung
Wenn der Patient selbst nicht entscheidungsfähig ist, sind ethische und juristische Aspekte ganz genau zu beachten. Zwar wird durch die künstliche Ernährung eine Lebensverlängerung in den meisten Fällen herbeigeführt, doch ohne Einwilligung des Betroffenen oder seines Bevollmächtigen kommt beim Einführen der Sonde oder des Venenkatheters der Tatbestand der Körperverletzung zum Tragen. Das Legen einer PEG- Sonde beruht nicht auf pflegerischen, sondern immer auf therapeutischen Maßnahmen. Gleichzeitig muss das oberste Ziel sein, die normale orale Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme so weit als möglich wieder herzustellen. Wird Sterbenden eine PEG- Sonde gelegt, bedeutet das auf jeden Fall eine Lebensverlängerung. Wenn der Patient durch eine Patientenverfügung keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte, darf keine Ernährungssonde gelegt werden und es darf mit keiner künstlichen Ernährung begonnen werden.